Rallyebericht Dresden-Dakar-Banjul Challenge 2010

Team PSP (224) alias "Lowrider"

Anmerkung: Der Rallyebericht ist noch nicht komplett. Er wird nach und nach vervollständigt und mit Bildern illustriert. Es lohnt sich also immer wieder mal reinzuschauen.

Die Entscheidung mit einem Haufen Verrückter in einem alten Auto den langen Weg nach Gambia in Westafrika anzutreten, um das Auto dort für wohltätige Zwecke zu spenden, war schon lange gefallen. Nach einem guten halben Jahr Vorbereitung war es dann am 27.02.2010 endlich soweit.

Tag 1: Bückeburg - Remoulins (F) - 1215 km

 

Für die Strecke von Deutschland bis nach Algeciras, von wo aus die Fähre nach Marokko übersetzen wird, wurden von der Rallyeorganisation 4 Tage Fahrzeit angesetzt. Da wir uns aber einen zusätzlichen Ruhetag in Gibraltar verschaffen wollten, war unser persönliches Ziel diese Strecke in 3 Tagen zu bewältigen. Um dies zu erreichen sollte uns unsere erste Tagesetappe bis nach Südfrankreich führen. Der Plan war kurz vor Remoulins in einem autobahnnahem Hotel zu übernachten, damit wir am nächsten Morgen auf der Pont du Gard, einem gewaltigen Aquädukt aus altrömischer Zeit, frühstücken könnten. Dass wir unsere Lieben erst gegen Mittag in Bückeburg bzw. Kalletal verabschiedeten machte dieses ehrgeizige Ziel nicht unbedingt realistischer.

Die erste interessante Begegnung unserer Tour hatten wir beim Grenzübertritt von Luxembourg nach Frankreich. Es war wohl weniger das Misstrauen, sondern vielmehr die Neugier der Grenzbeamten, die sie veranlasste uns aus dem fliessenden Verkehr zu ziehen und zu kontrollieren. Die Antwort "Gambia" auf die obligatorische Frage wo die Reise hingehen solle, wurde mit ungläubigen und leicht verwirrten Gesichtsausdrücken quittiert. Einer der Zöllner stotterte:"Ähhh...mit diesem Auto? Und Sie glauben wirklich, dass Sie da ankommen werden? Aber Gambia...da müssen Sie doch durch Spanien...Marokko...oh, viel Glück in Mauretanien!" So richtig konnte sich wohl niemand der anwesenden Herren vorstellen, dass wir es wirklich ernst meinten. Andere Autofahrer auf der Autobahn auf französischer Seite zeigten mit "Daumen hoch"-Gesten offenbar mehr Zuversicht.

 

Weiter südlich in Frankreich kämpften wir mit aller Kraft unserer 72 PS gegen den hier gerade wütenden Orkan an, der tragischerweise einige Menschenleben forderte. Von uns forderte er glücklicherweise nur einen Geschwindigkeitsverlust und ca. 30 km/h und gut 3 Liter zusätzlichen Dieselverbrauch auf 100 km. Je weiter wir südlich kamen, desto stärker wurden Wind und Regen, was das Fahren anstrengend und gefährlich machte. Durch die Windanfälligkeit, bedingt durch den hohen Dachgepäckträgeraufbau, und das schwammige Fahrwerk unseres Autos wurde es immer schwieriger sich beim Fahren auf nur eine Fahrspur zu beschränken. Hinzu kam noch die einbrechende Dunkelheit.

 

Um am nächsten Morgen nicht mehr so weit zu unserem geplanten Frühstück auf der Pont du Gard fahren zu müssen, liessen wir einige günstige Formular 1-Hotels links und rechts der Autobahn liegen und fuhren immer weiter gen Remoulins. Bis wir dann fast dort waren und irgendwie plötzlich so gar kein Hotel mehr in Autobahnnähe zu entdecken war. An Remoulins vorbeifahren kam für uns aber ebensowenig infrage, wie Umkehren. Also rein in den Ort und feststellen, dass bis auf eine kleine Bar nichts mehr offen hatte. Immerhin war es aber auch schon 23:45 Uhr und Wintersaison. Also suchten wir uns ein einigermaßen abgelegenes Plätzchen neben einem Weinfeld und bauten unser Igluzelt auf. Hier bewährten sich zum ersten Mal unsere am Dachgepäckträger montierten Zusatzscheinwerfer. Glücklicherweise hatten Wind und Regen inzwischen nachgelassen. Voller Freude über das erreichte Etappenziel liessen wir den Abend feucht fröhlich ausklingen, bis wir schließlich müde auf die Isomatten fielen.

Tag 2: Remoulins (FR) - Valencia (ES) - 729 km

 

Der heutige Morgen zeigte sich regnerisch. Wir standen um 8:30 Uhr auf, packten im leichten Regen unser nasses Zelt ein und machten uns auf den Weg zur Pont du Gard. Temperaturmäßig war es für die Jahreszeit besser als erwartet.

 

Wie wir feststellen mussten, hatte sich hier inzwischen touristisch einiges getan. Es war zwar menschenleer, der riesige angelegte Parkplatz mit recht hohen Gebühren verriet jedoch, dass hier zur Hochsaison so einiges los sein muss. Leider wurde auch der Zugang auf die Brücke gesperrt, so dass wir unser geplantes Frühstück nicht auf, sondern auf halber Höhe unter der Brücke abhalten mussten. Sehr zur Belustigung einer kleinen japanischen Reisegruppe, die uns offensichtlich nur zu gern bei der Zubereitung unseres Rühreis fotografiert hätten. Nach dem Frühstück suchten wir noch einen Geocache in einem Wald oberhalb der Pont du Gard und wuschen unser Geschirr im Fluss.

 

Gegen 12 Uhr setzten wir unsere Reise gen Süden fort. Der zuvor gemachte Ölcheck zeigte, dass unser Benz trotz seines alters erstaunlich wenig Öl verbrauchte. Auch der Kühlwasserstand sah absolut in Ordnung aus. Trotzdem stellten sich 125 km vor Barcelona plötzlich Temperaturprobleme ein. Die Anzeige wanderte zügig gen roten Bereich. Also schnell den nächsten Rastplatz angesteuert, Heizung an, Motorhaube auf und den Wagen im Stand laufen lassen. Bei dieser Gelegenheit mussten wir auch feststellen, dass die Temperatur nicht unser einziges Problem war. Auch die Reifen waren sehr einseitig abgefahren. Mit etwas Wasser und dem Erhöhen des Reifendrucks auf 3 bar sollten diese Probleme aber vorerst vergessen sein.

Am späten Abend erreichten wir den Campingplatz Mediterrano, direkt am Meer gelegen, in der Nähe von Valencia. Die Lage direkt am Meer machte die Lage allerdings auch extrem einsam. Weit und breit war kein Licht in Sicht, das auf ein Restaurant oder ähnliches hätte hinweisen können. Und zu essen hatten wir auch nicht wirklich etwas dabei. Glücklicherweise hatte der Campingplatz eine sehr nette finnische Besitzerin, die uns kurzerhand zu einer finnischen Kartoffelsuppe, Brot und Budweiser auf die Terrasse vor ihrem Wohnwagen einludt. Dafür mussten wir ihr lediglich eine Postkarte aus Afrika versprechen, was wir selbstverständlich gerne machten. Ihre drei Hunde und eine Katze haben unser Mahl aufmerksam verfolgt.

 

Nach dem Essen bauten wir unser immernoch nasses Zelt zum Trocknen auf und stellten unsere Feldbetten daneben. Die Entscheidung nicht ins nasse Zelt zu kriechen fiel angesichts des sternenklaren Himmels leicht. Auch die Temperaturen liessen auf eine angenehme Nacht unter freiem Himmel schließen. Vorher widmeten wir uns aber noch dem von Kalle und Petra zum Abschied geschenkt bekommenen selbstgemachten Mirabellenlikör, welcher wirklich ausgezeichnet schmeckte und auch seine Wirkung nicht verfehlte. Danach war dann auch die nötige Bettschwere erreicht.

Tag 3: Valencia (ES) - San Roque (ES) - 855 km

 

Die Nacht auf den Feldbetten war super! Der erste morgendliche Blick fiel auf die uns umlagernden Hunde, die offenbar erwartungsvoll unser Frühstück herbeisehnten. Doch zuvor hatten wir eine schöne Dusche auf dem Plan. Während Olli in dem von der Campingplatzbetreiberin empfohlenen großen Duschhaus kalt duschen musste, hatte ich das Glück einer warmen Dusche in einem Dixi-Klo-artigen Gebäude direkt neben unserem Schlafplatz. Unser Standard-Frühstück, bestehend aus Rührei und Wurst konnten wir dann bei herrlichstem Sonnenschein genießen. Anschließend trieb es uns ans Meer, wo wir mit den Füßen in der Brandung plantschend unser Frühstücks-Bier einnahmen. Unsere Relaxedheit muss für die Platzbetreiberin ein befremdender Anblick gewesen sein, angesichts der Tatsache, dass ihr die für diesen Tag anstehende Strecke ohnehin schon mehr als lang vorkam.

Um 11:30 Uhr ging es dann aber wirklich los. Ein Abstecher von der Autobahn offenbarte uns die Schönheit der spanischen Berge. Wir fuhren über eine teils atemberaubende Serpentinenstraße, die wohl bald von der sich im Bau befindlichen Autobahn abgelöst werden wird.

In Almeria wollten wir eigentlich dringend benötigte Vorräte einkaufen, jedoch waren trotz Montag alle Läden geschlossen. Es blieb uns nichts anderes übrig, als an einer Tankstelle wenigstens die nötigsten Dinge, wie Diesel und Wasser zu kaufen. Die Vorderreifen hatten ihr Profil mittlerweile gänzlich auf der Straße gelassen, wir entschieden uns aber sie weiter zu fahren, bis Metall zu sehen ist.

Während wir so die südliche Küstenstraße Spaniens entlang fuhren, plagte uns so langsam der Hunger. Ich sah das Schild eines Restaurants namens Paradiso, was sich für mich recht verlockend anhörte. Leider stellte sich beim Lesen der Speisekarte heraus, dass der Name des Restaurants eigentlich Paraiso war. Das Essen, das uns kredenzt wurde, war dann auch alles andere als paradisisch. Bestellt und bezahlt hatten wir Rinderfilet, optisch war es Schwein und geschmeckt hat es nach Fisch. Soviel dazu. Mit schweren Mägen fuhren wir weiter die von Gewächshäusern gesäumte Küstenstraße entlang. Hier ist wirklich jeder halbwegs ebene Quadratzentimeter Land bis direkt an die Küste mit Plastikgewächshäusern bepflastert, aus denen unter anderem die Tomaten stammen, die wir täglich in unseren Supermärkten kaufen.

Gegen 22:30 Uhr erreichten wir dann unser heutiges Etappenziel, den von der Rallyeleitung empfohlenen Campingplatz in San Roque. Zu unserem Glück war der Betreiber noch wach, dafür aber recht betrunken. Ein netter älterer Herr aus Deutschland, der einen leicht verwirrten Eindruck machte. Auf unsere Frage, warum denn die Läden an diesem Montag geschlossen hätten, erklärte er uns, dass es in Spanien die Regelung gäbe, dass wenn ein Feiertag auf einen Sonntag fiele, dafür der darauffolgende Montag frei wäre. Dann versuchte er noch die verschiedenen Fälle durchzuspielen, wann diese Regelung zum Einsatz käme und wie sie dann angewandt würde, verhaspelte sich aber immer wieder. Das klang dann ungefähr so: "Wenn an einem Montag Feiertag wäre, dann...*lange Denkpause*...äähh...nee...das wäre was anderes..." Wir lachten und wünschten eine angenehme Nachtruhe.

Es muss vor unserer Ankunft tierisch geregnet haben, jedenfalls stand der uns zugewiesene Platz Nr. 2 komplett unter Wasser. Glücklicherweise bestand der Boden aus Kies, sonst hätten wir in einer Schlammwüste nächtigen müssen. Da zu befürchten war, dass es auch in der Nacht wieder regnen würde, spannten wir unsere wasserdichte Plane vom Auto zu zwei Bäumen und bauten unsere Feldbetten darunter auf. Die besagte Plane sollte uns auf unserer weiteren Reise noch gute Dienste leisten und für angenehme Nächte sorgen.

Tag 4: Ruhetag in San Roque (ES)/ Gibraltar (UK) - 78 km

 

Durch leichte Regentropfen, die auf unsere Dachplane tröpfelten, geweckt, begannen wir den Tag mit einer schönen warmen Dusche und einem Frühstück mit unseren letzten Eiern und Wurst. Brot gab es leider keines mehr. Noch bevor wir unsere für diesen Tag geplante Excursion nach Gibraltar starteten, gingen wir erstmal einkaufen, in einem dieser riesigen südeuropäischen Konsumtempeln, wo es einfach alles und noch mehr zu kaufen gibt. Wir beschränkten unsere Einkäufe jedoch hauptsächlich auf Unmengen Bier und Wasser, sowie etwas Vodka und Saft. Das gekaufte Essen hielt sich arg in Grenzen. Wir mussten jeden Winkel unseres Autos nutzen, um im Schutze eines überdachten Taxistandes die Einkäufe verstaut zu bekommen.

Zunächst wollten wir zu Fuß nach Gibraltar, als wir jedoch im Zollbereich ein Luftbild sahen und uns damit erst bewusst wurde wie groß doch dieser kleine Zipfel England ist, sind wir gleich wieder zurück und haben das Auto geholt. Auch der zweite Grenzübertritt verlief problemlos und wir machten uns auf den Weg zu den berühmten Berberaffen, die den Felsen bevölkern. Um auf den Felsen zu gelangen, muss man an einem Wärterhäuschen mit murrigen Enländern Eintritt zahlen. Danach geht es über extrem enge und steile Straßen hinauf auf den Berg mit unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten. Da es sich bei den Straßen ausnahmslos um Einbahnstraßen handelt, muss man nach fast jeder Sehenswürdigkeit eine weitere Runde durch die Stadt drehen, um wieder zum Eingang zu kommen. Glücklicherweise sind weitere Zutritte im ersten Eintrittspreis enthalten. Wir besichtigen eine zu militärischen Zwecken angelegte Höhle, von aus aus sich die Engländer früher gegen die Spanier zur Wehr gesetzt haben und besuchten anschließend noch die überfütterten Affen. Die Affen hier sind so sehr an Autos uns deren schmackhaften Inhalt gewöhnt, dass sie alles daran setzen ins Wageninnere zu gelangen, um irgendetwas zu ergattern. Dazu springen sie auf die Autodächer und schrecken auch vor sanfter Gewalt nicht zurück.

In Gibraltar trafen wir auch unseren ersten Rallye-Mitstreiter, den Wüsten-Seemann. Er war gerade auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Die meisten Rallye-Teilnehmer zogen eine feste Unterkunft dem überfluteten Campingplatz vor. Leider hat es auch an diesem Tag fast die ganze Zeit leicht geregnet.

Abendessen wollten wir dann doch lieber nicht in England, mit seinem berüchtigt schlechten Essen, also fuhren wir zurück nach Spanien, um dort eine gemütliche Tapas-Bar aufzusuchen. Nachdem unsere Suche aber leider erfolglos blieb, gingen wir ein zweites Mal in den Supermarkt und deckten uns mit Carpacchio und Grillgut ein. Gegrillt haben wir dann gemütlich unter unserer Plane und lernten beim gemütlichen Zusammensein mit Bier noch einige weitere unserer Rallye-Mitstreiter kennen. Zunächst freuten wir uns über einen vorbeischauenden Fuchs, nachdem er aber immer aufdringlicher wurde und unseren Müllsack zerpflückte, wollten wir ihn dann doch lieber nicht mehr bei uns haben. Als ich nachts aufwachte war er bereits auf unserem Campingtisch und musste daraufhin ein Bierdosenbombardement über sich ergehen lassen.

Tag 5: San Roque (ES) - Larache (MA) - 117 km

 

Am Morgen regnete es noch leicht, aber hier und da riss die Wolkendecke auf und sogar der ein oder andere Sonnenstrahl bahnte sich seinen Weg zu uns herunter. Das Wetter war an diesem Morgen aber eher nebensächlich, denn unsere Vorfreude auf Afrika war einfach unermesslich. Ab heute sollte die Rallye erst so richtig losgehen. Bevor es für uns aber losging, stand erstmal ein ganzes Stück Arbeit an. Im Auto herrscht ein heilloses Chaos aus Ausrüstungsgegenständen und Bier, das erstmal geordnet werden wollte. Um der Lage einigermaßen Herr zu werden, packten wir erstmal alles auf einer Plane aus, um die Sachen dann nach und nach geordnet wieder ins Auto zu verfrachten. Während dieser Tätigkeit fuhren bereits alle anderen Teams an uns vorbei Richtung Fähre. Org Olaf hielt mit seinem Besenfahrzeug, das dem Rallyefeld von nun an als Reparatur- und Servicewagen hinterherfahren sollte, an und erkundigte sich nach unserem Befinden. Unsere Aktion hatte wohl augenscheinlich den Charakter einer größeren Panne. Um pünktlich bei der Fähre zu sein, machten wir uns dann um 11:00 Uhr ohne Frühstück auf den Weg.

Das warten auf die Fähre erschien uns schier endlos, trotzdem war es eine gute Gelegenheit die anderen Rallye-Teilnehmer kennenzulernen. Schließlich handelte es sich hierbei um den ersten Pflichttreffpunkt, an dem sich alle einfanden. Lediglich ein Team hatte es bisher nicht hierher geschafft, da sie zu diesem Zeitpunkt noch mit einem Fahrzeugdefekt in Bordeaux festhingen. Kurz vor der Fähr begann unser Mercedes bedenkliche Geräusche zu machen. Wir tippten sofort auf die Niveauregulierung, was sich auch später als bittere Wahrheit entpuppen sollte. Allzu große Sorgen machten wir uns aber nicht, da wir ja nun sicher waren auf jeden Fall auf die Fähre zu kommen und damit auch den afrikanischen Kontinent zu erreichen. Somit gab es kein zurück und wir würden die Rallye auf jeden Fall, wie auch immer, fortsetzen können.

Als die Fahrzeuge schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit auf der Fähre verstaut waren, ging es zunächst an Deck für ein gemeinsames Gruppenfoto. Die Überfahrt war, aufgrund des enormen Windes, extrem schaukelig und magenunfreundlich. Die vom Bordpersonal verteilten Plastiktüten fanden bei vielen der Mitreisenden dankbare Abnehmer. Am gleichen Tag starben auf einer anderen Fähre drei Menschen, weil sie von einer Welle erfasst und von Bord gespült wurden.

An einem kleinen Schreibtisch mit erhielten alle, die zum ersten Mal nach Marokko reisten, eine persönliche Registrierungsnummer für dieses Land. Danach fand im Restaurantbereich des Schiffes ein Briefing statt, bei dem wir die wichtigsten Informationen für den Grenzübertritt und das Verhalten in Afrika von den Orgs erhielten.

Endlich in Afrika angekommen hieß es erst einmal wieder warten. Alle 43 Fahrzeuge und über 80 Pässe mussten registriert werden. Die Orgs kümmerten sich um sämtliche Formalitäten. Trotzdem kam ein Zollbeamter zu unserem Auto, "kontrollierte" kurz unsere Pässe, um uns dann weismachen zu wollen, dass er privat hier und deshalb auf Trinkgelder angewiesen sei. Von uns bekam er natürlich nichts, es stellte sich aber später heraus, dass sich ein paar andere Rallye-Teilnehmer zu dubiosen Zahlungen nötigen liessen. Als ich während der Wartezeit zu Fuß zu einer Wechselstube ging und dabei einen roßen Parkplatz voll mit 123er Mercedes-Taxis sah, wusste ich, dass wir hier mit unserem Auto goldrichtig waren.

Auf der Weiterfahrt Richtung Larache wurden die Geräusche von unserer Niveauregulierung nicht besser und hinzu kam noch heftiger Regen, mit dem wir hier in Afrika nicht wirklich gerechnet hätten. Die Profillosigkeit unserer Reifen machte das geradeaus fahren nicht gerade einfacher.

Wir erreichten den laut Roadbook empfohlenen kostenlosen Caravan-Stellplatz in Larache und waren zunächst einmal überrascht von der Vielzahl französischer Wohnmobile, die hier standen. Trotzdem wirkte der Platz wie ausgestorben, als wenn die Wohnmobile hier über Winter abgestellt wären. Wir reihten uns ein und spannten unsere Plane von unserem Auto zu dem Transit des Teams Ostblock Customs. Somit hatten wir wieder mal ein halbwegs gemütliches und mehr oder wenig trockenes Plätzchen zum Schlafen gefunden. Zum Abend gab es dann noch Hackbällchen mit Reis im campingplatzeigenen Imbiss, selbstverständlich ohne Bier dazu, da wir uns ja ab jetzt in muslimischen Gefilden befanden. Die Wächter des Campingplatzes freuten sich aber dennoch über das ein oder andere geschenkt bekommene Bier, denn "nachts schläft Allah".

Tag 6: Larache (MA) - Marrakesch (MA) - 514 km

 

Diesen Morgen standen wir deutlich früher auf als sonst, da schon für 8:00 Uhr das heutige Briefing und die Weiterreise angesetzt war. Frühes Aufstehen war hier aber auch durchaus sinnvoll, um noch einen Platz unter einer der drei einzigen Duschen des riesigen Platzes zu bekommen. Erstaunlicherweise erwachte auch das Leben in den wie ausgestorben wirkenden Wohnmobilen, welche sich als gewaltige Blechkarawane mit Rentnern am Steuer vom Platz schoben. Es gab ein schnelles Frühstück auf die Hand und ein kurzes Briefing, bevor uns unser erster Weg, zusammen mit zwei anderen Teams in die Stadt führte, um dort eine Werkstatt aufzusuchen, um den Ursprung unserer bedrohlich wirkenden Geräusche zu finden.

Nach einigem Suchen fanden wir dann auch eine Werkstatt, die einen recht kompetenten Eindruck machte, auch wenn es recht viele Angestellte, aber offenbar wenige Arbeiter gab. So richtig wollten sie aber nicht verstehen, dass es sich bei den Geräuschen um die Hydraulik handelte. Es wurde unter anderem viel am Auspuff gerüttelt und geklopft, der konnte es aber nun wirklich nicht sein. Irgendwann schien der Besitzer der Werkstatt zu verstehen und er fuhr mit mir los um Ersatzteile zu besorgen. Während dieser Zeit versuchte Olli weiterhin, den Blick des Mechanikers auf die Hydraulik zu lenken. Dafür machte er die Haube auf, um ihm den Ausgleichsbehälter zu zeigen und stellte fest, dass dort viel zu Wenig Hydrauliköl enthalten war. Inzwischen waren auch wir wieder zurück, mit zwei Gummiteilen im Gepäck. Als das Hydrauliköl aufgefüllt war, waren auch die Geräusche weg. Wir kauften noch einen Liter Reserve und waren sicher, damit den Weg bis nach Gambia zu schaffen, selbst wenn es irgendwo eine leichte Undichtigkeit gab. Zusätzlich zu den 6 € für das Öl sollten noch 100 € "Reparaturkosten" hinzukommen. Ich habe den Preis dann auf 7 € runtergehandelt, was angesichts der gebotenen Leistung immernoch Wucher war. Aber egal. Zusammen mit den beiden anderen Teams machten wir uns guten Mutes auf die Weiterreise gen Marrakesch.

 

Auf dem Weg nach Marrakesch kamen wir an Casablanca vorbei. Eine Stadt mit solch klangvollen Namen kann man nicht einfach links liegen lassen, also machten wir noch einen Abstecher in die Innenstadt. Der wuselige Straßenverkehr in dieser quirligen Stadt macht einfach richtig Spaß! Als wir die Küste erreichten, machten wir zunächst einen kleinen Fotostopp an einer großen Moschee, die direkt ans Wasser gebaut war. Eigentlich wollten wir aber an einer schönen Promenade, die uns so in unseren Köpfen vorschwebte, essen gehen. Wir fanden ein hübsches, sehr edles Fischrestaurant, welches den Wüstenfüchsen jedoch etwas zu fein war. Die anderen wollten auch lieber zu Rick´s Café, welches durch den Film Casablanca Berühmtheit erlangte. Das war jedoch mindestens so edel wie das zuvor besuchte Restaurant und man verwährte uns den Einlass. Unsere Kleidung hätte man auch durchaus als underdressed einstufen können, aber wir waren ja auch schließlich auf einer Rallye. Angesichts der sinkenden Sonne beschlossen wir dann den Weg aus der Stadt zu suchen und unseren Weg fortzusetzen. Zu essen gab es dann schlechte Pizza in einer Autobahn-Raststätte...

Nachdem wir schließlich unseren Campingplatz vor den Toren Marrakeschs erreicht und unsere Plane gespannt hatten, bestiegen wir sofort ein Taxi und fuhren in die Innenstadt. Dort erwartete uns ein absolut abgefahrener Markt mit Super-Essensständen mit aufdringlichen Schleppern, sowie unzähligen Musikern, Gauklern und sonstigen Künstlern, Selbstdarstellern und Bettlern. Besonders hervorzuheben ist der besondere Eiffer der Essensstand-Schlepper. Sie versuchen doch tatsächlich einen mit Sprüchen wie "ah, Du suchen Sauerkraut und Schweinshaxe!?" oder "Krombacher Bier" (welches sie natürlich nicht hatten) zu ihrem Stand zu locken. Am besten fanden wir jedoch den Spruch "Alfred Biolek ist nix schul in Marrokko, nur in Deutschland". Wir entschieden uns schließlich zunächst für einen Schneckenstand ohne aufdringliche Schlepper, danach assen wir noch Fleischspieße, Garnelen und Calamares an einem Stand, an dem für später auch noch ein Treffen mit den Orgs geplant war. Während des essens nervten immer wieder Frauen und Kinder, die einem die unterschiedlichsten Dinge, hauptsächlich aber Taschentücher verkaufen wollten. Eine Frau war besonders eklig, denn sie pulte sich mit ihrer Taschentuchpackung zunächst zwischen ihren fauligen Zähnen rum, um sie einem dann ins Gesicht haltend zu offerieren. Und das beim Essen!

Noch spannender war jedoch danach das Schlendern über den Platz mit all seinen Musikern und Gauklern. Hier herrscht des Nachts eine unglaubliche Atmosphäre, die einen sofort in ihren Bann zieht.

Hinter dem Markt erschließt sich einem ein Gewirr aus engen Gassen mit allerlei Gewürzständen und kleinen Läden mit dem üblichen Touri-Ramsch.

Als wir uns eine Tüte Nüsse zu knabbern kauften, versuchte uns der Händler auch gleich auf übelst plumpe Art zu betrügen. Er schlug mit der Hand auf die Waagschale in der sich die Nüsse befanden und sagte freudestrahlend "300 Gramm!" Wir mussten sofort laut loslachen, woraufhin auch er über seinen plumpen Versuch lachen musste und uns nicht nur die richtige Menge der gekauften Nüsse einpackte, sondern noch eine zusätzliche Portion gemischter Nüsse aus seinem Sortiment.

Zum ersten Mal auf unserer Tour hatten wir hier auch die Gelegenheit ein Internet-Café zu besuchen, um einen kurzen Zwischenbericht auf unserer Homepage zu posten. Die Verbindung war jedoch sehr langsam und die arabische Tastatur nicht gerade einfach zu bedienen, wodurch der Bericht recht kurz ausfiel. Aber besser als nichts.

Eine weitere erheiternde Begegnung hatten wir noch mit einem tanzenden Liliputaner, der von uns Geld für ihn und seine Musiker wollte. Ich gab ihm einen Dirham. Das war ihm aber offenbar zu wenig, denn er forderte auf recht unverschämte Weise mehr. Daraufhin nahm ich ihm den Dirham wieder weg und er bekam nichts. Er schimpfte wie ein Rohrspatz und hüpfte dabei auf und nieder. Ein köstlicher Anblick!

Wieder zurück auf dem Campingplatz machten wir mit den Teams Jumbo Pott für Afrika noch lautstark Party bis ca. 4:00 Uhr, was die auf dem Platz anwesenden Franzosen-Rentner zu Beschwerden bei der Campingplatz-Leitung veranlasste.

Tag 7: Ruhetag Marrakesch (MA) - 0 km

 

Der Morgen begann mit einer kalten Dusche und dem Gemotze der Campingplatzbetreiber, die sich ereiferten, weil die auf dem Platz anwesenden Franzosen und Pfaue die Nacht nicht schlafen konnten. Wir dagegen konnten ab 4:00 Uhr sehr gut schlafen.

Bevor wir uns auf den Weg in die Stadt machten, wechselten wir noch unsere Vorderräder. Sie waren mittlerweile einfach zu sehr abgefahren, um mit ihnen am nächsten Tag ins Atlasgebirge zu starten. Ein Reifenplatzer auf einer engen kurvigen Gebirgsstraße ist nicht das, was man sich unbedingt wünscht.

In Marrakesch gingen wir dann auf Geocaching-Tour. Zunächst machten wir einen Cache in einem sogenannten Cyberpark, einem Stadtpark, in dem es überall kostenlose Internet-Terminals gab. Nicht schlecht gemacht!

Danach starteten wir zu einem Multicache, den die Orgs eigens für die Rallye gelegt hatten. Dieser erwies sich als sehr interessant, da er uns durch die ganze Stadt, selbst in entlegenste Winkel führte, in die man sich sonst sicher nicht verirrt hätte. Es lag vielleicht auch ein bisschen daran, dass offenbar eine Koordinate falsch angegeben war. Den Final haben wir schließlich auch nicht gefunden, was uns aber nicht weiter gestört hat. Dafür haben wir ein dringend benötigtes Radkreuz gefunden, das wir dummerweise zuhause vergessen hatten und unterwegs noch die ein oder andere lustige und interessante Begegnung verbuchen konnten.

Besonders witzig war jemand, der sich in gutem Deutsch als Guide anbot, der uns eine Koranschule oder Moschee zeigen wollte. Als wir aber dankend ablehnten, wurde er etwas aufdringlich uns versuchte, sich wenigsten noch etwas zu erbetteln mit Sprüchen wie: "Weisst Du was mein Problem ist? Ich brauche 2 Euro!" Als wir ihm die nicht geben wollten fragte er: "Warum bist zu so sparsam?" und motzte: "Was bringt einem der Tourismus, wenn man dadurch kein Geld bekommt?" Die Tatsache, dass er sich zunächst als Guide anbot und nicht einfach nur bettelte, ehrt ihn, jedoch kann man eben nicht jedem etwas geben. Wir hatten bis hierhin auch schon so viel Kleingeld verteilt, dass es uns halt irgendwann ausgegangen ist.

 

Zurück auf dem "Platz der Gehängten", dem zentralen Marktplatz, trafen wir auf Schlangenbeschwörer, die uns sofort ihre Schlangen um den Hals hingen. Wir mussten sie am Kopf festhalten, während sie uns andere Schlangen ins Gesicht hielten. Das ganze wäre an sich nicht so schlimm gewesen, hätten sie einem mit ihrer hektischen Art nicht ein irgendwie extrem unsicheres Gefühl gegeben. Während dieser Aktion schlich sich auch eine andere Schlange umbemerkt zwischen unsere Beine, die erst auf unsere Anregung von den Schlangenbeschwörern entfernt wurde. Anschließend verlangten sie von uns unverschämte 300 Dirham pro Person, mussten sich dann aber mit 20 pro Person zufrieden geben.

In einem Restaurant mit Blick über das Marktgeschehen bekamen wir noch ein hervorragendes Couscous. Von hier oben beobachteten wir Gaukler mit Tanzaffen, einen geistlichen der offenbar Probleme mit dem Lautsprecher an der Minarett seiner Moschee hatte, einen extrem breiten Typen, der sehr viele Menschen belästigte und anfasste, kurios gekleidete Touristen und allerlei andere Nettigkeiten.

Als wir uns anschließend zum heimlichen Trinken eines mitgebrachten Bieres auf einer Parkbank niederliessen, setzte sich eine recht betrunkene Frau zu uns uns bot uns Whiskey aus einer Wasserflasche zu trinken an. Als wir dankend ablehnten fragte sie noch nach Zigaretten und wollte schließlich noch unser Radkreuz halten. Sie staunte nicht schlecht über das Gewicht, dass wir so mit uns rumschleppten. Da sich das Radkreuz aber als wunderbare "Waffe" gegen das ständige Händeschütteln an den Essensständen entpuppt hatte, würde ich aber wahrscheinlich beim nächsten Mal wieder eins mitnehmen.

Schon um 20:00 Uhr fuhren wir zurück zum Campingplatz. Von der ganzen Latscherei waren wir so kaputt, dass wir selbst eine Einladung zu einer Party beim Team Super Trooper ablehnten, um lieber früh ins Bett zu gehen. Angesichts der Tatsache, dass die Campingplatzbetreiber jetzt schon bei leiser Musik aufmuckten, wäre an ausgelassenes Feiern ohnehin nicht mehr zu denken gewesen.

Tag 8: Marrakesch (MA) - Tafraoute (MA) - 422 km

 

Für die Weiterfahrt entschieden wir uns dafür von der Roadbook-Strecke abzuweichen und stattdessen eine alternative Route durch den Hohen Atlas und den Anti-Atlas zu fahren. Dafür standen wir heute sogar richtig früh auf. Zum einen weil das Briefing heute schon um 7:00 Uhr stattfand, zum anderen weil wir nicht wussten wie die Straßenbeschaffenheiten im Atlasgebirge sein werden und wie zügig wir dort vorankommen würden. Außerdem wollten wir uns auch noch mindestens ein anderes Team suchen, das mit uns zusammen den Atlas bestreiten würde, um bei einer Panne nicht ganz alleine dazustehen. Die Teams Zebragolf und Mal losfahren hatten die gleiche Idee und so fanden wir uns zusammen. Dass diese Konstellation passen würde, zeigte sich schon daran, dass wir so ziemlich die letzten waren, die den Platz verlassen sollten. Halt alle etwas entspannter...

Bereits nach wenigen Kilometern bei der Ortschaft Tahanaoute überholten uns Christoph und Jones vom Team Mal losfahren in ihrem weißen Mercedes mit laut bollerndem Auspuff. Also hielten wir bei einer Tankstelle und ließen uns von einem freundlichen Marokkaner zu einer kompetenten Werkstatt führen. Es handelte sich um eine typisch afrikanische Outdoor-Werkstatt, bei der es statt Hebebühne in den Boden gebuddelte Gruben gab. Die Mechaniker machten aber einen sehr fachkundigen Eindruck. Auf dem Gelände der Werkstatt gab es einige amerikanische Straßenkreuzer zu bewundern, die laut Aussage der Eigentümer im Film Casablanca mitgespielt haben, bzw. als Kamerawagen dienten. Während der Dauer der Reparatur entpuppte sich unser freundlicher Führer als Teilzeit-Straßenhändler. In seinem Bauchbeutel befanden sich allerlei Ketten und Edelsteine, die er nun an den Mann zu bringen versuchte, teilweise mit grandiosem Erfolg. Der Auspuff war schnell geschweißt und wir zurück auf der Straße richtung Berge.

Die Strecke durch den Hohen Atlas entpuppte sich als atemberaubend schön. Wir fuhren durch Serpentinen, mit ständigem Blick auf einen sich durch die Berge schlängelnden Wildwasserfluss. Am Rande des Flusses tauchten immer wieder malerische Bergdörfer auf, die teilweise vollkommen von der Außenwelt isoliert schienen. Die einzigen Menschen entlang der Strecke waren kräutersammelnde Frauen, mürrisch guckende Männer in Kutten mit Zipfelmützen und hin und wieder spielende Kinder. Die Straße war erstaunlich komfortabel. Die einzige fahrerische Abwechslung entlang der Strecke brachten lediglich zwei Furten. Hier und da trafen wir immer wieder auf andere Teams, die ebenfalls diese Strecke fuhren.

An einem Stausee legten wir eine kleine Rast ein. Während sich Jones und Anke, vom Zebragolf-Team, auf der Terrasse eines Cafés niederliessen, schlenderten Olli und ich zum Seeufer. Als wir zurück kamen, hatte Marko, vom Zebragolf, gerade damit begonnen ein paar mitgebrachte Geschenke an die anwesenden Kinder zu verteilen. Anscheinend war gerade Schulschluss, denn die Situation geriet durch die sich rasch vermehrende Kinderschar schnell außer Kontrolle und mündete schließlich in eine handfeste Prügelei, nachdem Marko den Karton mit den Spielzeugen wegen Überforderung seinem Schicksal überließ. Als aber jeder sein Geschenk ergattert hatte und der Karton leer war, kehrte auch schnell wieder Ruhe ein und es wurde zusammen gespielt oder der Heimweg angetreten.

Den geographischen Höhepunkt unserer Atlas-Tour erreichten wir mit 2119 Metern auf dem Tizi-n-Test. Bis hierher war auch das Wetter sehr ansprechend. Auf der anderen Seite des Passes zeigte die Natur aber ein ganz anderes Gesicht. Schlagartig dichter Nebel, der nur wenige Meter Sicht zuließ, dazu starker Regen, der teilweise sogar zu Hagel wurde. Von Aussicht auf die Landschaft keine Spur mehr, dafür aber fahrerisch interessanter, denn auch die Beschaffenheit der Straße wurde hier zunehmend schlechter. Leider machte sich dies auch bei unserer Niveauregulierung bemerkbar, die sich erneut mit diesen unheilvollen Geräuschen bemerkbar machte. Je weiter wir ins Tal kamen, desto besser wurde aber auch wieder das Wetter. Die überschwemmten Straßen in einem kleinen Ort kurz vor Taroudant zeigten aber, dass kurz zuvor auch hier einiges an Regen runtergekommen sein muss. Wir stärkten uns mit Fisch-Kebap, bevor es weiterging, Richtung Tafraoute im Anti-Atlas.

Die kurvigen Bergstraßen ließen nur gemäßigtes Tempo zu, was die zu fahrende Strecke doch recht lang erscheinen ließ. Hinzu kam noch die einbrechende Dunkelheit. Unsere an den Dachgepäckträger montierten Zusatzscheinwerfer zeigten gute Wirkung und so düsten wir dann doch noch halbwegs zügig durch die Dunkelheit, bei völligem Fehlen von Begrenzungspfeilern oder ähnlichem hilfreichen Straßen-Schnickschnack. Trotz immer größer werdender Müdigkeit wollten wir so weit wie möglich nach Tafraoute kommen, damit wir am nächsten Tag die Möglichkeit hätten, das nächste Etappenziel zu erreichen. Ungefähr 8 km vor Tafraoute verfrachteten wir Team Zebragolf und Mal losfahren dann in ein kleines Hotel, um dann noch ein Stück weiter zu fahren und einen für uns geeigneten Schlafplatz zu suchen. Ohne zu wissen wo wir waren bogen wir dann einfach irgendwo in einen Feldweg ein und schlugen unser Lager auf. Für einen ganz kurzen Moment wäre heute fast der Gedanke aufgekommen, auch in dem Hotel zu schlafen. Dass wir uns dagegen entschieden hatten wurde prompt mit einem super Sternenhimmel belohnt. Wir hatten noch ein paar croissantähnliche Etwasse zu essen, tranken noch zwei bis drei Bier und legten uns schlafen.

Tag 9: Tafraoute (MA) - Laayoune (EH) - 650 km

 

Von der aufgehenden Sonne geweckt, wurde uns gewahr, an was für einem wundervollen Ort wir uns niedergelassen hatten. Um uns herum die Berge des Anti-Atlas, saftig grüne Wiesen, durchsetzt von zum Teil urigen Felsformationen und auf der anderen Seite des Tals noch ein malerisches Bergdorf. Einfach herrlich! Obwohl die Nacht recht frisch und feucht war, waren wir nun heilfroh, dass wir uns nicht dazu haben hinreissen lassen, mit den anderen im Hotel zu übernachten. Die Schönheit der Natur machte auch unser dürftiges Frühstück, bestehend aus trockenem Baguette, Bier und Tee, komplett wett. 

Nach dem Frühstück machten wir uns auf zu einem kleinen Spaziergang, um die Gegend zu erkunden. Dabei entdeckten wir die Ruinen eines verlassenen Dorfes, einen hübschen Flusslauf, sowie ein Echsenpärchen. Wir genossen unsere Exkursion ganz in Ruhe, da wir uns sicher waren, dass wir nicht allzu früh mit den anderen rechnen müssten. Irgendwann kam dann auch der Anruf von Christoph, dass sie gerade beim Frühstück säßen und dass es noch eine Weile dauern würde, bis sie uns abholen. Dieser Anruf kam uns ganz recht, da wir alles andere als Hektik im Kopf hatten und ja auch noch unseren kompletten Kram einpacken mussten. Im vollen Vertrauen auf die Ehrlichkeit der muslimischen Bergbevölkerung haben wir unsere kompletten Sachen offen liegenlassen.

Zurück beim Camp fingen wir dann ganz gemächlich mit dem Einpacken an. Da die anderen noch nicht in Sicht waren, gaben wir uns anschließend ganz der marokkanischen Lebensart hin. Wir lungerten am Straßenrand rum, bauten Steinhaufen und versuchten, bei vorbeifahrenden Autos böse zu gucken. Da uns hierfür aber die Übung fehlte, hielt der böse Blick meist nicht bis die Autos da waren, sondern verformte sich in heilloses Gelächter über uns selbst. Darum beschränkten wir uns lieber auf vorbeifahrenden Touristen zuwinken, was sonst der andere Teil der Marokkaner praktiziert.

Gegen 11 Uhr trafen dann auch die anderen beiden Teams auf, um uns einzusammeln. Wir hätten heute gerne die blauen Felsen besucht, da wir aber überhaupt nicht wussten wo die sind, es uns auch keiner von den Orgs genau sagen konnte, und die anderen berichteten, dass selbst ihr Wirt aus dem Hotel keine Vorstellung davon hatte, wo diese sein sollten, schwindete unsere Hoffnung, dass wir sie tatsächlich finden würden.

Nach dem Starten unseres Autos fiepte die Niveauregulierung noch kurz, gab aber nach kurzem Laufenlassen im Stand wieder Ruhe. Das machte uns Hoffnung.

Nach ca. 20 km Fahrt legten wir einen Tankstopp in Tafraoute ein, wo wir uns auch beim örtlichen Bäcker mit frischem Fladenbrot eindeckten. Danach ging es weiter durch das malerische Atlasgebirge.

Ein paar Kilometer hinter Tafraoute sah ich in letzter Sekunde ein selbstgemaltes Schild mit der Aufschrift "Painted Rocks". Ich schrie sofort wie angestochen und wir brachten die anderen beiden vorausfahrenden Teams wild gestikulierend und lichthupend zum Umkehren. Der Verlauf des weiteren Weges war nicht ganz eindeutig und bestand aus recht abenteuerlicher Piste. Genau das richtige für uns!

Als wir unterwegs anhielten, um uns zu orientieren und die weitere Route zu besprechen, hörten wir bereits laute Musik von weit her und vermuteten, dass an den blauen Felsen eine Party gefeiert würde. Aber mitten am Tag? Als wir dann näher kamen, trauten wir unseren Augen nicht. In einem riesigen Tal sind überall blau angemalte Felsen verteilt und in der Mitte stehen Offroad-Reisemobile aus ganz Europa. Am Rande steht ein Beduinenzelt mit Stromaggregat und Musikanlage aus der Goa-Beats dröhnen, davor eine bunte Gruppe Party-People, die den Anschein machten, dort schon Tage, Wochen oder Monate zu feiern. Eine geile Party an einer Location, wie man sie sicher nur auf ganz wenigen Orten dieser Welt finden kann. Am liebsten wären wir direkt hier geblieben. Olli und ich ringten mit uns, ob wir nicht wenigstens noch eine Nacht hier bleiben sollten und dafür den Ruhetag in Dakhla sausen lassen würden. Letztendlich siegte aber die Vernunft, auch angesichts der Tatsache, dass wir ernsthafte Zweifel daran hatten, ob wir die Weiterreise am nächsten Tag auch wirklich angetreten hätten. Außerdem lagen wir dem Rallye-Feld schon jetzt recht weit zurück. Wir genossen die wenigen Stunden, die wir hier verbringen durften, tranken ein paar Bier, tanzten ein wenig zur Musik und machten uns schließlich um ca. 16 Uhr auf die Weiterfahrt. Auf dem Weg zurück zur Straße blieb noch die Stoßstange vom Team "Mal losfahren" auf der Strecke, nachdem sie damit in einer Senke hängenblieben.

Berauscht nicht nur von der unvergleichlichen Atmosphäre der Party genossen wir auf der Weiterfahrt noch das Mitfahren auf dem Dach unseres Autos, wofür wir uns mit dem Dachgepäckträger extra auf den hinteren Teil unseres Daches beschränkt hatten, und brausten mit Vollgas durch kleine Furten und durch die zum Heizen einladenden Serpentinen Richtung Tiznit. Nachdem wir den Tag bis hierhin ja auch schon ausgiebig genossen hatten, mussten schließlich auch noch einiges an Kilometern aufholen. Trotzdem nahmen wir uns noch die Zeit bei einer Pinkelpause kräuterverkaufende Kinder mit Spielzeug zu beschenken und an einem Schlachterladen mit Grillstand unterwegs 2kg Lammfleisch zu verputzen. Interessant bei den marokkanischen Schlachtern ist, dass der Kopf des geschlachteten Tieres komplett mit Fell und Augen auf dem Tresen liegt. An den Augen kann man erkennen, dass das Tier auch wirklich frisch geschlachtet ist.

Die nächsten 400 km legten wir dann im Dunkeln zurück. Die recht enge Wüstenstraße mit starker ungleichmäßiger Abbruchkante auf der rechten und wankenden entgegenkommenden LKWs mit grell blendendem Licht auf der anderen Seite machte die Fahrt recht anspruchsvoll. Hinzu kam ja noch, dass sich unser Mercedes nicht wirklich leicht in der Spur halten ließ. Beim LKW überholen stellten wir dann auch fest, dass unser Blinker inzwischen den Geist aufgegeben hatte. Auf dieser Strecke stießen wir auch auf die ersten Sanddünen, bei deren Versuch, sich einen Teil der Straße zurückzuerobern.

Die Einfahrt zu unserem heutigen Campingplatz "Le Bedouine" zu finden, war dank der Koordinaten aus dem Roadbook ganz einfach. Den weiteren Weg zum Campingplatz selbst zu finden, erwies sich dagegen als recht schwierig. Zum Glück fiel mir noch der Zettel von Gunter ein, den er mir mitgegeben hatte, auf dem er einige Koordinaten der letztjährigen Rallye notiert hatte. So hatten wir zunächst die richtige Richtung und fanden dann heraus, dass jeweils in einigem Abstand Reflektoren an Steinen angebracht waren, die einem den richtigen Weg wiesen. Sie waren jedoch teilweise so weit auseinander, dass wir sie nur mit Fernlicht, Zusatzscheinwerfern und Indianeraugen finden konnten. Nach ein paar Kilometern Piste erreichten wir dann tatsächlich um eine Minute vor Mitternacht den Campingplatz. Das obligatorische Kamelfleischessen hatten wir leider verpasst, aber dafür einiges zu berichten. Keines der anderen Teams hatte den Weg zu den blauen Felsen gefunden und wir haben die Ankündigung des Wirtes aus dem Hotel widerlegt, dass wir unser Ziel heute nicht mehr erreichen könnten. Und er wusste ja noch nichtmal, dass wir noch einige Stunden bei den blauen Felsen verbringen würden. Wir machten noch Party bis 4:00 Uhr in der früh. Offenbar wieder etwas lautstark, zumindest kam zwei Mal ein Engländer, um sich über die nächtliche Ruhestörung zu beschweren. Unsere Stimmung war jedoch bereits so ausgelassen, dass wir auf ihn leider keine Rücksicht nehmen konnten. Wir beratschlagten uns noch mit Torsten von den Orgs über die weitere Route durch die Wüste, bevor wir uns schließlich unter einem grandiosen Sternenhimmel auf unseren Feldbetten niederließen.

Tag 10: Laayoune (EH) - Dakhla (EH) - 568 km

 

Am Morgen wurden wir durch den Lärm packender und startender Rallye-Teilnehmer geweckt. Nach und nach waren alle verschwunden - selbst Marko und Anke mit ihrem Zebragolf. Nur Christoph und Jones waren mit uns mal wieder die letzten. Sogar das Besenfahrzeug der Orgs, das ja eigentlich dem Tross hinterherfahren und einen im Falle einer Panne einsammeln sollte, war bereits weg. Als letztes sahen wir noch ein Team Holländer von der ähnlichen Rallye "Antwerpen-Banjul" mit ihrem Geländewagen vom Hof fahren. Nun waren wir hier so gut wie alleine in der Wüste. Kaum zu glauben, dass hier noch wenige Stunden zuvor ein Treiben wie auf einem Autotreffen war. Wir nahmen noch in Ruhe eine Salzwasserdusche und machten uns schließlich auch auf den Weg. Unterwegs fiel uns dann ein, dass wir vergessen hatten nach Wasser und Öl zu gucken, vertrauten aber darauf, dass alles in Ordnung ist.

In Laayoune wurde einem durch die übertriebene Militärpräsenz bewusst, dass wir uns in einem besetzten und mit Mauretanien im Konflikt befindlichen Land befanden. Hier holten wir auch die Orgs mit dem Besenfahrzeug wieder ein. Schon etwas beruhigend. Vor einer Bank spielten wir mit einem kleinen stummen Mädchen Frisbee auf der Straße. Sie war völlig schockiert über Ollis lange Haare. Wir wollten ihr die Frisbee anschließend schenken, aber erstaunlicherweise warf sie sie beim Abfahren zurück in unser Auto. Als die anderen noch ein paar Einkäufe tätigten, ging ich kurz in ein Internet-Café, um noch einen kurzen Eintrag auf unserer Seite zu verfassen. Leider war die Verbindung extrem langsam und ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, dass die anderen so lange auf mich warten mussten. Als ich dann aber raus kam, stellte sich heraus, dass Jones in einem Musikgeschäft gleich 8 CDs mit arabischer Musik gekauft hatte, die allerdings im Laden zunächst noch gebrannt werden mussten, was noch viel mehr Zeit in Anspruch nahm als das Internet.

Bei der Ausfahr aus der Stadt passierten wir einen der vielen Police Stops nicht ordnungsgemäß, woraufhin der Polizist von uns 40,- € Strafe pro Auto forderte. Ich erzählte ihm, dass wir nicht viel Geld hätten und noch Sprit bis nach Mauretanien kaufen müssten und handelte ihn so auf 200 Dirham für beide Fahrzeuge runter. Offenbar immernoch viel zu viel, jedenfalls steckte er das Geld breit grinsend in die eigene Tasche. Mit dem entsprechenden Zeitaufwand wären wir sicher auch ohne Strafe davongekommen.

Kurz vor Boujdour kam es dann zum ersten Mal vor, dass uns ein Polizist nach einem Geschenk, z. B. ein T-Shirt oder so, fragte. Wir haben uns köstlich darüber amüsiert, wussten wir doch hier noch nicht, dass diese Masche auf der weiteren Tour zum Standard werden sollte.

 

Zum Mittag suchten wir uns einen Picknickplatz an der Steilküste über dem Meer, der sich leider als Müllkippe entpuppte. Innerhalb weniger Sekunden war das Auto bevölkert von hunderten Fliegen. Also schnell weiter und einen angenehmeren Platz gesucht.

Kurz vor Dakhla haben wir noch einen Geocache in der Wüste gemacht. Die Gegend war durchzogen von Schützengräben und überall lag Munition herum. In einem derartig verminten Land bringt einem ein solcher Anblick schon ein etwas mulmiges Gefühl. Belohnt wurden wir neben dem Fund mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über der Lagune von Dakhla, in der sich viele Kitesurfer tummelten. Direkt vor Dakhla hatten wir dann noch eine sehr zeitaufwendige Polizeikontrolle, bevor wir schließlich unseren Campingplatz am Ortseingang beziehen konnten. Da wir Hunger aber nichts großartig zu essen und schon gar keine Lust zu Kochen hatten, bestellten wir uns ein Petit Taxi, das uns zu einem Restaurant in der Stadt brachte. Da wir den Kellner nicht recht verstanden bestellten wir zunächst ein Wasser. Dachten wir, denn gebracht wurde ein sehr leckeres landestypisches Erbsengericht mit etwas Fleisch. Damit hatte sich die schwierige Entscheidung über die Wahl des Gerichtes erledigt. Anschließend machten wir noch einen Bummel durch die erstaunlich schöne Stadt mit buntem Treiben und interessanten Straßenverkäufern. Hierbei lernten wir auch den Werkstattbesitzer namens Assis kennen, der angab unsere Orgs bereits seit 12 Jahren zu kennen, was sich später sogar als die Wahrheit herausstellen sollte. Nach einer ausgiebigen Runde durch die Stadt bestiegen wir wieder ein Taxi uns ließen uns zurück zum Nachtlager kutschieren.

Tag 11: Ruhetag Dakhla (EH) - 18 km

 

Wieder hatten sich für die Nacht einige Teams in die Hotels der Stadt verkrochen, da ihnen der Campingplatz nicht gefiel. Wir fanden ihn gar nicht schlecht, obwohl der Blick auf das Meer durch einen Metallzaun gestört wurde. Die Nacht unter freiem Himmel war recht windig, aber angenehm warm.

Der Vortag ist nicht an allen Rallye-Boliden spurlos vorübergegangen. Gleich zwei Teams hatten Bekanntschaft mit LKWs gemacht. Dem Wüstenseemann wurde der rechte vordere Kotflügel und die Beifahrertür seines Mercedes aufgeschlitzt, großes Glück im Unglück hatte Claudia von den Ostblock Customs, als sie beim linksabbiegen mit dem Isuzu Trooper der Sand Lovers einen überholenden LKW übersah. Dieser erwischte die linke vordere Ecke des Troopers und Riss den Rammschutz mit sich. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wäre sie schon einen Meter weiter gewesen!

Der heutige Ruhetag sollte dazu genutzt werden, die Teilnehmerfahrzeuge wüstentauglich zu machen. Hierzu gehören in erster Linie ein massiver Unterfahrschutz, sowie nach Möglichkeit eine Höherlegung. In Dakhla gibt es eine Werkstatt-Straße mit Open Air-Werkstätten, die sich genau auf diese Arbeiten spezialisiert haben.

Da wir diese Dinge bereits zuhause erledigt hatten, mussten wir lediglich für 3,- € unsere Batterie befestigen lassen, Reifen umziehen, Geld tauschen, sowie Lebensmittel und vor allem Wasser kaufen. Den Rest des Tages hatten wir frei.

Wir entschieden uns fürs Angeln. Da wir aber nicht so richtig wussten wo wir mit dem Wattwürmer suchen anfangen sollten, suchten wir lieber einen Angelshop auf. Bevor wir den Laden jedoch betreten konnten, trafen wir jemanden, der uns Sepir als Köder empfahl und uns auch gleich noch den Weg zur Fischhalle zeigte, wo wir für 2,- € einen stattlichen Sepir kauften. Der freundliche Herr hätte uns auch noch gerne auf einen Tee eingeladen, da wir aber weiter wollten, lehnten wir die Einladung dankend ab. Bevor es dann zum Angeln ging, wollte ich noch kurz einen Zwischenbericht auf unserer homepage posten. Dieses Vorhaben legten wir aber zu den Akten, nachdem wir es, dank der langsamen Verbindung in dem aufgesuchten Internetcafé, nach 20 Minuten noch nicht ein mal geschafft haben die Jimdo-homepage zu öffnen.

Es heisst ja "erst die Arbeit, dann das Vergnügen". Darum entschieden wir uns dafür, noch vor dem Angeln die notwendigsten Arbeiten zu erledigen. Olli wusch seine Wäsche und ich machte mich daran, unser Auto noch einmal komplett auszuräumen und neu zu packen. Wenn man einfach immer den jeweils benötigten Gegenstand irgendwo raus zieht und nach der Nutzung oben drauf schmeisst, entsteht mit der Zeit ein heilloses Durcheinander. Außerdem hatten wir Unmengen an Wasserreserven zu verstauen, die für einen besseren Schwerpunkt natürlich möglichst tief liegen sollten.

Beim Angeln tat sich dann erst mal lange Zeit nichts. Etwas tragisch, da es für Olli das erste Mal Angeln war und man bei totalem Misserfolg natürlich schnell die Lust daran verlieren kann, bevor sie überhaupt richtig aufkommt. Als dann aber so langsam die Flut kam, zeigten sich die ersten Bisse. Den ersten kräftigen Biss hatte Olli an seiner Rute. Leider etwas zu kräftig, denn die Schnur war sofort durch. Den zweiten, recht stattlichen, Tintenfisch verlor ich dann direkt am Ufer. Ein einheimischer Zuschauer sprang zwar noch mit kompletten Klamotten ins Wasser und fischte mit den Händen nach dem Fisch, hatte jedoch auch kein Glück. Zu guterletzt hatte ich noch mit dem Spinner Glück und fing einen kleinen Tintenfisch. Die beiden Jungs, die uns die ganze Zeit interessiert beobachtet hatten, ließen wir auch noch ein wenig mit unseren Ruten angeln.

Auf dem Campingplatz hatten ein paar Leute inzwischen ein Flunky Ball-Match, Deutschland gegen Österreich, aufgezogen. Da musste ich natürlich auch noch ein wenig mitmischen. Im Werfen bin ich zwar nicht so der Crack, dafür habe ich meine Dose meist als erster leer. Deutschland war Österreich natürlich weit überlegen.

 

Am Abend gab es dann noch eine Folklore-Vorführung mit Couscous für alle und einem großen Lagerfeuer. Bier brachte sich jeder selbst mit. Das Couscous war lecker, aber nicht überragend. Die laute Playback-Musik dagegen war einfach nur grauenhaft und erinnerte an schlechte Hotel-Animation im 3-Sterne-Bunker am Ballermann. Es dauerte nicht lange, da hielten wir diese Belästigung für unsere Ohren nicht mehr aus und zogen uns zu unserem Nachtlager zurück. Nur dumm, dass dieses genau neben dem Veranstaltungsort, nur durch einen Metallzaun getrennt, lag. Glücklicherweise gab es einige Pausen für die "Band", in denen zu unserer großen Freude Alpha Blondy gespielt wurde. Diese Musik passte auch einfach viel besser zu unserer restlichen Abendgestaltung.

Tag 12: Dakhla (EH) - Große Düne (EH) - 324 km

 

Am Morgen weckte mich Dale vom Baltic-Team, um mir mitzuteilen, dass bereits alle am Packen oder bereits startklar waren. Anderes sah unser Plan aber auch nicht vor, also drehte ich mich wieder um und schlief weiter. Erst als die Sonne hoch stand, gingen wir Duschen und kauften anschließend noch Eier, Baguette und Käse für´s Frühstück im campingplatzeigenen Shop. Ein Hippie-Pärchen aus Rumänien, das am vorigen Abend mitgetrommelt, wie Krebse ums Feuer getanzt und dazu eine riesige Pfeife geraucht hatten, fragte uns nach einer Mitfahrgelegenheit in den Senegal. Nicht nur wegen des fehlenden Platzes konnten wir dieser Bitte jedoch nicht nachkommen.

Zusammen mit Christoph und Jones, die die beiden Nächte im Hotel in Dakhla verbracht hatten, machten wir uns schließlich auf den Weg. Unterwegs machten wir einen Stopp an einer Sanddüne und probierten mit mäßigem Erfolg unser Surfbrett aus, später machten wir noch einen Stopp direkt am Meer. Dort überkam uns die Lust unsere Autos durch den Sand zu prügeln und wir drehten die ersten Runden.

Nach ein paar Stunden Fahrt erreichten wir den nächsten Pflichttreffpunkt, die letzte Tankstelle vor Mauretanien. An den Zapfsäulen wurden die Spritvorräte aufgefüllt und im angrenzenden Restaurant die Mägen.

Die Organisatoren wiesen uns in die weitere Vorgehensweise ein. Der Plan war, im Konvoi zur großen Düne, dem nächsten Übernachtungsort zu fahren, um uns dort zügig häuslich niederzulassen, bevor das Militär Wind von der Sache bekäme. So wären sie vor vollendete Tatsachen gestellt. Camps dieser Art in Grenznähe sind, aufgrund des Konfliktes zwischen Marokko und Mauretanien, nicht gerne gesehen.

An der Zufahrt zur großen Düne angekommen, wartete jedoch bereits das Militär, offenbar vorgewarnt von Kollegen, die uns an der Tankstelle gesehen und Lunte gerochen hatten, und versperrte uns den Weg. Nach langer Diskussion konnten unsere Orgs die Soldaten glücklicherweise überzeugen uns campieren zu lassen. Sie warnten uns jedoch eindringlich davor, das Camp wegen der Minengefahr nicht allzu weit zu verlassen.

Sofort danach wurde die Düne gestürmt. Alle schnappten sich ihre Snowboards, Surfbretter, etc. und rannten wie angestochen die Düne hoch. Das Runterfahren fiel dann weniger spektakulär aus, trotzdem machte das Rumtollen und sich einsauen im Sand einen Riesenspaß. Richtig auslassen konnten sich hier die Fahrer der Audi Quattros, sowie der Enduro.

Am Abend kam noch Soldat Ahmet zum Plausch vorbei. Zu Essen gab es Brot mit Käse und Oliven, dazu wurden Bier und Vodka gereicht.

Tag 13: Große Düne (EH) - Wüstencamp (MR) - 85 km

 

Nach dem Aufwachen stellten wir fest, dass unsere Schlafsäcke komplett nass waren. Angesichts der immensen Temperaturunterschiede in der Wüste zwischen Tag und Nacht aber auch kein Wunder. Zeit zum Trocknen oder Frühstücken gab es vorerst nicht, da dieser Tag ganz der Ausreise aus Marokko und der Einreise nach Mauretanien gewidmet werden sollte. An der Grenze sollte für Dinge wir Frühstück noch genügend Zeit sein. Bereits um 7:30 Uhr fand das Briefing mit letzten Infos zum Verhalten in Grenznähe und bei den Grenzübertritten statt. Anschließend ging es sofort los.

Die Ausreise aus Marokko verlief mit 2 Stunden Wartezeit recht zügig. Trotzdem reichte die Zeit für das Trocknen der Schlafsäcke, ein Frühstück und ein kurzes Schläfchen.

Zwischen Marokko und Mauretanien gibt es einen ca. 2 km breiten Streifen Niemandsland. Im Niemandsland gibt es keine Straßen, dafür aber eine Menge Minen, Müll und Autowracks. Und einen Geocache, den ich jedoch wegen der fehlenden Zeit, der vielen Versteckmöglichkeiten und der Angst vor Schlangen und Skorpionen beim Fassen in irgendwelche Ritzen leider nicht finden konnte. Dieser Geocache ist als die letzte legale Möglichkeit ein Bier zu trinken beschrieben, denn in Mauretanien herrscht absolutes Alkoholverbot. Somit steht auch die Einfuhr von Alkohol unter Strafe, weshalb wir hofften, dass unser Auto an der Grenze nicht durchsucht werden würde.

Die Einreise nach Mauretanien dauerte etliche Stunden in brütender Hitze, komplett ohne Schatten. Marko versorgte uns mit Dosenwurst und wir schmierten uns Brote. So ziemlich die einzige Beschäftigung in dieser Einöde. Als die Einreiseformalitäten dann endlich durch waren, machte sich kurz Aufbruchstimmung breit. Doch bereits 100 Meter weiter war bereits wieder alles vorbei, denn hier wartete der Zoll. Wieder stundenlanges Warten. So langsam stellte sich extreme Langeweile ein. Das Warten dauerte bis zum Einbruch der Dunkelheit. Es wurde ein außerordentliches Briefing durchgeführt, in dem die Orgs uns erzählten, dass dies der längste Grenzübertritt in der gesamten Rallye-Geschichte sei. Aufgrund der derzeitigen Sicherheitslage würde alles dreifach kontrolliert und eingetragen. Hinzu kam die ganz neu eingeführte Computererfassung, die es bis dato auch nicht gab. Der nächste Übernachtungsort musste so kurz hinter der Grenze gefunden werden und auch die nächsten Übernachtungsorte sollten sich gegenüber dem Roadbook ändern. Insgesamt dauerten die Grenzübertritte geschlagene 11 Stunden.

Umso glücklicher waren alle, als wir unsere Pässe wieder in den Händen hielten und weiter zum nächsten Übernachtungsort wenige Kilometer entfernt, wieder bei einer großen Sanddüne, fahren konnten. Dort angekommen war natürlich wieder die erste Handlung das Erklimmen der Düne im dunkeln, danach gab es noch eine Dusche mit Wasserflaschen und jede Menge Vodka. Bewacht wurde unser Camp von zwei Polizisten, mit denen ich noch einen kleinen Plausch am Lagerfeuer hielt und ihnen noch zwei Schlafsäcke für die Nacht schenkte, da sie praktisch nichts für die Übernachtung dabei hatten, außer ihren Uniformen und ihrem Pickup. Danach ging es dann auch für uns ins Bett.

Tag 14: Wüstencamp (MR) - Wüstencamp (MR) - 188 km

 

Die heutige Nacht war wieder viel zu früh zuende. Schon um 7:30 Uhr Briefing - definitiv nicht unsere Zeit. Doch beim Briefing konnte ich nebenbei die Polizisten mit ihrem Pickup beobachten, wie sie zwei Anläufe brauchten, um eine kurze Steigung zu bewältigen, die auf dem Weg von unserem Camp zurück zur Straße lag. "Das wird lustig für uns", dachte ich mir und freute mich schon auf die Abreise. Also nach dem Briefing schnell unsere Sachen im Auto verstaut und los gings. Nachdem bereits einige Teams die Auffahrt geschafft hatten, waren wir endlich an der Reihe. Und das mit durchschlagendem Erfolg. Leider nicht nur beim Bewältigen der Auffahrt im ersten Anlauf, sondern auch unser Stoßdämpfer ist durchgeschlagen und das hat unserer Niveauregulierung den Rest gegeben. Die erschrockenen Gesichter der Umherstehenden ließen nichts gutes ahnen, also stiegen wir aus und sahen das Übel. Auslaufendes Öl im Bereich unseres rechten Hinterrades und das Heck lag fast auf der Straße auf. Das war es dann also mit unserer Niveauregulierung. Wir bockten das Auto, mithilfe von Marko´s Hebekissen auf und ließen die Fachleute einen Blick auf das Desaster werfen. Leider hatte auch von denen niemand eine Idee, wie man dieses Problem hier in der Wüste hätte lösen können. Also gab es nur eine Lösung - einfach weiterfahren und hoffen, dass alles gutgeht. 

 

Bevor es jedoch weiterging hieß es Gewicht zu reduzieren. Hierfür verteilten wir möglichst viele schwere Ausrüstungsgegenstände und unsere Wasservorräte auf Fahrzeuge anderer Teams, die fast ausnahmslos sofort ihre Hilfe anboten. Hier zeigte sich wieder einmal mehr der vorbildliche Teamgeist der Rallyeteilnehmer. Im Gegenzug übernahmen wir ein paar leichte Müllsäcke, die zwar viel Platz einnahmen, dafür aber wenig Gewicht hatten.

Trotz der Gewichtsreduzierung setzten wir bei jedem etwas größeren Stein und bei jeder Bodenwelle auf. Nur gut, dass wir so einen stabilen Unterfahrschutz hatten. Nach ein paar Kilometern Straße ging es dann auch endlich richtig in die Wüste. Vorher gab es noch einen kurzen Stopp mit letzten Infos zum Fahren in der Wüste und dem wichtigsten - dem Ablassen der Luft aus den Reifen. Um im Wüstensand auch ohne 4x4 eine Chance zu haben, fährt man am besten it einem Luftdruck von 1 - 1,5 bar. Da unser Auto jetzt optisch sehr an einen amerikanischen Lowrider erinnerte, benannten wir uns kurzerhand in "Team Lowrider" um. Etwas Galgenhumor gehört eben dazu. Die ersten Offroad-Kilometer über den steinigen Wüstenboden waren, aufgrund der fehlenden Bodenfreiheit, katastrophal. Durch den tiefen Wüstensand ging unser Auto trotz allem aber richtig gut.

Kaum waren die ersten kleineren Sanddünen erreicht, gab es auch die ersten Einsandungen, wie das Festfahren im Sand bei der Rallye genannt wird. Beim Anhalten, um anderen zu helfen, musste man eigentlich nur darauf achten, auf möglichst hartem Sand, möglichst an einer leicht abschüssigen Stelle zu halten, dann gab es beim Weiterfahren keine Probleme. Trotzdem kam es immer wieder vor, dass aus einer Bergungsaktion gleich mehrere wurden. Das Team Touarist buddelte sich besonders oft ein, wie sich erst am nächsten Tag herausstellen sollte, lag das am nicht reduzierten Reifendruck. Zur Mittagszeit gab es eine Pause, bei der jeder auf die unterschiedlichste Weise versuchte ein Stück Schatten zu erhaschen. Wir spannten dazu unsere Plane zwischen zwei Autos und machten es uns darunter gemütlich. Wir kochten uns Nudeln und aßen gemeinsam aus einem Topf. Anschließend ging es weiter mit Vollgas durch die Wüste. Auf den steinigeren Passagen mussten wir zwar sehr aufpassen, im Sand hatten jedoch auch wir richtig fun. Und wir waren nicht die einzigen mit Problemen. Gleich mehrere Dachgepäckträger verabschiedeten sich von den Dächern der Autos, die beiden Amis "Hubraum satt" und "Automobile Randgruppe" hatten mit Temperaturproblemen zu kämpfen und der Audi Quattro der Ösis gab zwischendurch den Geist auf. Auch die Bleche unseres Unterfahrschutzes verabschiedeten sich durch das ständige Aufsetzen so nach und nach.

Da sich immer wieder Teams einsandeten, zog sich das Feld weit auseinander. Zwischenzeitlich waren wir mit dem Zebragolf alleine, konnten weder vor noch hinter uns andere Teams entdecken. Hinz kam, dass es Fahrzeugspuren in zwei unterschiedliche Richtungen gab. Autospuren halten sich in der Wüste mitunter jahrelang und es ist oft schwer zu sagen, welche Spuren frisch und welche alt sind. Das Folgen der falschen Spuren kann fatal enden. Also das GPS-Gerät gezückt und den nächsten Übernachtungspunkt angepeilt. So hatten wir eine ungefähre Richtung, was uns half den richtigen Spuren zu folgen.

So erreichten wir auch bald wieder einen Treffpunkt, an dem sich schon einige Teams versammelt hatten und auf die Nachzüglinge warteten. Da wir noch lange nicht die letzten waren, vertrieben wir uns die Zeit mit Boule spielen. Hektik kam auf, als der Chevy brennend angefahren kam, ohne dass der Fahrer dies bemerkt hatte. Es dauerte aber nur gefühlte Sekunden, bis gleich mehrere Leute mit Feuerlöschern angerannt kamen und das Feuer gelöscht hatten. Es war zum Glück nur austretendes Motoröl, das sich auf dem Auspuffkrümmer entzündet hatte, sah aber dramatisch aus.

nach unseren Ausrüstungsgegenständen losging. Im Eiffer des Gefechts hatten wir uns natürlich nicht gemerkt, in welchem Fahrzeug wir was untergebracht hatten. Für das Richten unseres Unterfahrschutzes hätten wir unseren Fäustel gebraucht, doch unsere Werkzeugkiste war unauffindbar und merkwürdigerweise hatte auch keines der anderen Teams, trotz teilweise halbprofessioneller Ausstattung, einen Fäustel dabei. Auch unsere Feldbetten waren unauffindbar. Mit dem fehlenden Fäustel konnten wir noch leben, aber die Feldbetten waren existenziell. Nach langem Suchen fanden wir dann schließlich heraus, dass sich unsere Feldbetten im liegengebliebenen Audi Quattro der Ösis befanden, der noch irgendwo auf der Strecke war. Erst als es bereits dunkel wurde, kam das Besenfahrzeug mit dem Audi im Schlepp und damit auch endlich unsere Betten. Während der Wartezeit hatten wir auf dem Kamm einer Düne gesessen, mit einer Dose Bier in der Hand und haben den Gegen Abend erreichten wir unser nächstes Nachtlager, wo für uns die Suche Sonnenuntergang genossen. Eigentlich auch besser, als unter dem Auto zu liegen und mit dem Fäustel auf den Unterfahrschutz einzuschlagen.

Die V8-Teams und die Ösis schraubten bis spät in die Nacht an ihren Fahrzeugen, während wir den Abend, zusammen mit den Teams Zebragolf und Baltic, bei Nudeln mit Bolognesesauce und Bier ausklingen ließen.

Fortsetzung folgt auf der nächsten Seite!

 

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Aktuelle Meldungen von unterwegs:

 

Der Mercedes ist versteigert!

Am Sonntag, den 21.03.2010, fand die Versteigerung der Rallye-Fahrzeuge im Independence-Stadium von Banjul statt. Trotz der erheblichen Mängel brachte unser Mercedes noch einen Versteigerungserlös von 34.000,- Dalasis, umgerechnet knapp 1.000,- € ein. Ein respektables Ergebnis. Insgesamt brachte die Versteigerung einen Gesamterlös von 2.385.000,- Dalasis, umgerechnet über 64.000,- €, zugunsten der Hilfsprojekte ein. In Anbetracht der Fahrzeugstückzahl das beste je erreichte Versteigerungsergebnis der Dresden-Dakar-Banjul-Rallye. Ein Krankenwagen ging zusätzlich als Direktspende an ein Krankenhaus und ein PKW fand bei der Organisation Ärzte helfen dankbare Abnehmer.

 

Eintrag vom 25.03.2010 

Das Ziel ist erreicht. Die letzten hundert Kilometer war es für uns mehr ein Hoffen und Bangen als alles andere. Auf der finalen Etappe war es nicht nur unerträglich heiss, es kamen auch noch ein Abschnitt extrem schlechte Teerstraße mit unzähligen tiefen Schlaglöchern und kaum Gelegenheiten neben der Straße zu fahren. Das hat unserem Auto wirklich den Rest gegeben. Nachdem wir ein richtig tiefes Loch neben der Straße übelst erwischt haben, machte uns das zuvor bemängelte eiernde und Geräusche machende linke Hinterrad keine Sorgen mehr, da jetzt das rechte Hinterrad richtig eierte und wesentlich größere Geräusche machte. Zudem steht es extrem schräg nach innen, noch mehr als zuvor schon. Eine Reperatur machte aber angesichts der geringen Entfernung von ca. 70 km bis zum Ziel keinen Sinn mehr. Ab dem Zeitpunkt war die Hoffnung auf die Ankunft in Banjul eine echte Zitterparty. Später stellte sich dann auch noch heraus, dass die komplette Karosserie verzogen ist. Die hintere Tür lässt sich nur noch mit großem Kraftaufwand öffnen und schliepen. Als wir aber schließlich doch die Fähre über den Gambia River erreicht hatten, war die Freude umso größer. Jetzt steht das Auto bei uns im Hotel und wird bis zur Versteigerung am Sonntag nicht mehr bewegt. Die Strecke bis zum Independence Stadium wird er wohl noch schaffen. Es wäre sicher eine zusätzliche große Wertminderung für den Versteigerungserlös, wenn er nicht auf eigener Achse und mit eigenem Antrieb ins Stadion einrollen kann. Am Freitag besuchen wir zusammen mit der Hilforganisation NGO eine Schule, die eines der durch die Rallye unterstützten Projekte ist. Sollte die Zeit noch reichen, steht auch noch der Besuch des unterstützten Krankenhauses auf dem Programm. Den dafür vorgesehenen Teil unserer mitgeführten Hilfsgüter haben wir heute bereits bei der Organisation abgegeben, damit sie einer sinnvollen Verteilung zugeführt werden können. Abends findet dann am Freitag noch die Welcome-Party statt und dann schauen wir voller Erwartung auf die Versteigerung der Fahrzeuge am Sonntag.

 

Unsere entstandene Mängelliste:

 

Niveauregulierung defekt

Spur verstellt (dadurch extremer Reifenverschleiß und einseitige Abnutzung)

Zentralverriegelung defekt

Schiebedach undicht und schließt nicht mehr richtig

Blinker defekt (geht nur noch Warnblink)

Rückleuchten defekt

Bremslicht hinten rechts defekt

Karosserie verzogen (dadurch beide Türen auf der Beifahrerseite nur mit großem Kraftaufwand zu bewegen)

Motorhaube klemmt

Heckklappe klemmt manchmal

Handschuhfachdeckel klemmt

Räder eiern und machen böse Geräuscht

Temperaturanzeige spinnt gelegentlich

Tachobeleuchtung geht nur manchmal

Heizung/ Lüftung defekt

Fensterkurbel Fahrerseite klemmt gelegentlich

Feststellbremse ohne Funktion

Unterfahrschutz Differential und Tank weg

Kotflügel vorne rechts lose

Zierleisten teilweise lose

Loch im Rücklicht rechts

Scheibenwaschanlage defekt

Antenne verbogen

 

Nur gut, dass die meisten der Defekte nicht Afrika-Relevant sind. Trotzdem werden die gröbsten Defekte den Versteigerungserlös sicherlich senken. Letztendlich sind wir aber trotzdem froh, dass wir es hierher geschafft haben, denn darum geht es letztlich. Jeder Euro zählt!

 

Eintrag vom 18.03.2010

 

Wir sind tatsächlich in Gambia angekommen!!!

 

Die Liste an Mängeln an unserem Fahrzeug ist mittlerweile sehr lang... Die letzte Etappe war sehr materialmordend. Leider ist gerade der Akku leer, aber sobald ich einen Adapter habe, gibt es hier die neuesten Informationen.

 

Eintrag vom 18.03.2010

Die Sahara ist durchquert. Wir haben Mauretanien hinter uns gelassen und sind nun in Senegal in St. Louis angekommen. Leider hat es uns kurz vor Beginn der Offroad-Sektionen durch die Wüste die Hydraulik der Niveauregulierung zerissen, wodurch wir durch die Wüste gehüpft und geschliffen sind. Sprüche wie "bei Euch ist das Niveau aber schon deutlich gesunken" sind uns damit natürlich sicher, aber wir nehmens mit Humor und freuen uns, dass wir auch weiterhin auf eigener Achse unterwegs sind. Während der steinigen Passagen war sehr viel Konzentration gefragt und der Fahrspass hat deutlich gelitten. Im Tiefsand konnten wir jedoch trotzdem richtig Gas geben und hatten unseren Spass.

Die Lage in Mauretanien ist wesentlich entspannter als wir uns das vorgestellt hatten. Zu keiner Zeit hatten wir ein unsicheres Gefühl. Das Land ist schön und die meisten Menschen sehr freundlich. Trotzdem wurden wir auf der gesamten Strecke von der Gendarmerie begleitet. Lediglich die Einreise war mit gut 11 Stunden etwas nervenaufreibend. Dafür ging die Ausreise umso zügiger.

Gelegenheit einen Teil unserer mitgebrachten Geschenke zu verteilen hatten wir auch schon zur genüge. Die Szenen in einer solchen Situation nehmen bei der Bevölkerung teilweise extatische Ausmaße an, was die Sache nicht immer einfach macht.

Selbst die Polizisten bei den ständigen Kontrollen lassen einen nach Kontrolle der Papiere nur ungern ohne ein Cadeaux (Geschenk) fahren. Da diese aber ständig und reichlich "beschenkt" werden, speisen wir sie generell nur mit einem Kugelschreiber ab. Unsere restlichen Mitbringsel verteilen wir lieber sinnvoll an Menschen, die es wirklich nötig haben.

Nachdem wir gestern Abend im dunkeln St. Louis erreicht haben, geniessen wir heute unseren Ruhetag hier. Morgen geht es dann weiter Richtung Gambia.

 

Tagesaktuelle Berichterstattung gibt es übrigens auch hier:

www.rallye-dresden-dakar-banjul.com

 

Eintrag vom 16.03.2010

Nach einer atemberaubenden Fahrt durch das Atlasgebirge und dem Besuch der blauen Felsen haben wir nun die West-Sahara erreicht und haben die erste Nacht in der Wueste hinter uns gebracht. Heute geht esweiternach Dakhla, wo die letzten Vorbereitungen fuer die Offroad-Etappen durch die Wueste getroffen werden.

 

Eintrag vom 08.03.2010

Wir sind inzwischen in Marrakesh/ Marokko angekommen. Die Fahrt verlief bisher ohne groessere Zwischenfaelle. Kleinere technische Probleme mit unserem Fahrzeug konnten schnell behoben werden. Wir haben mit Gibraltar das zehnte Land in die Liste unser bereisten Laender aufgenommen. Die Ueberfahrt nach Marokko war extrem stuermisch. Anfaenglicher Dauerregen in Marokko ist inzwischen gluecklicherweise Geschichte. Im Moment geniessen wir das bunte Treiben auf dem Markt von Marrakesh.

 

Leider ist die Internetverbindung sehr langsam, so dass wir zurzeit noch keine aktuellen Bilder einstellen koennen. Da wir Hotels meiden und ausschliesslich im freien naechtigen, kommen wir leider nicht in den Genuss von Strom oder W-Lan. Wir werden aber versuchen weiterhin wenigstens kurze Zwischenberichte zu liefern. Den ausfuehrlichen Bericht schreiben wir dann von zuhause aus.

 

Eintrag vom 4.3.2010

Die Dresden-Dakar-Banjul Challenge ist eine karitative Amateur-Rallye. Bis zu 50 Teams fahren zwei mal im Jahr von Dresden nach Gambia, wo die Fahrzeuge für einen guten Zweck versteigert werden.

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Diese Seite soll Ihnen einen kleinen Einblick in diese Unternehmung und die Durchführung geben.

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